Rotblütige Rosen, tödlicher Mond

Künstler, die ein bisschen so aussehen als seien sie aus der Zeit gefallen sind fast immer interessant. Brian Lopez kommt aus der Westernstadt Tucson, Arizona, aber mich erinnert er an die Darsteller von Passolinis heiter sinnenfrohen Filmen aus den frühen Siebzigern, „Decamerone“, etc. – das weiche sinnliche Gesicht, die dezent ölige Lockenpracht und vor allem die prachtvolle Strick-Tunika auf dem Cover des Debütalbums „Ultra“.

Heute Abend, am 5.8.2011, spielt Brian Lopez im Vorprogramm seiner Freunde und Nachbarn von Giant Sand, im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Wäre ich in Berlin – ich ginge auf jeden Fall hin! Trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, wie die Pracht und Opulenz des wundervollen Albums auf der Bühne funktionieren soll. Denn Brain Lopez ist keiner von diesen sogenannten „Wüstenrockern“, eher eine Mischung aus Antony Hegarty, Roy Orbison, Bon Iver und Thom Yorke. Also eher ein „Wüstentenor“, oder „Wüstencrooner“, der schon ein kleines Orchester benötigt.

Lopez spielte eine Weile in der Band der wunderbaren Marianne Dissard – eine rustikal sinnliche Französin, die es ins staubige Tucson verschlagen hat – deshalb erscheint „Ultra“ auf dem deutschen Label Le Pop, das auch die Alben von Dissard veröffentlicht. Manchmal erinnert das zweisprachige „Ultra“ auch an die spanischen Songs von Devendra Banhart. Nur unironischer, zärtlicher. Wenn Lopez in „El Pajaro Y El Ciervo“ eine Weile die Melodie des Songs pfeift, hat das eine fast mystische Entrücktheit, wie überhaupt der ganze Song an die wohlige Exotika von Martin Denny erinnert – aber dabei keinesfalls zum „Easy Listening“ wird.

Früher spielte der 28-jährige in einer Rockband, namens Mostly Bears, die sich angeblich an Radiohead und den Pixies orientierte. Doch von Rock ist auf „Ultra“ (im übrigen ein unpassender, doofer Name) wenig zu hören. Kammer-Pop nennt man diese mit allerlei Streichern, Kirchenglocken und wahrscheinlich auch singenden Sägen instrumentierte Musik in letzter Zeit gern. Warum nicht. Dass Lopez Opern-Gesang studiert hat, ist ebenfalls deutlich zu hören.

Leider wird es noch bis zum 23.9. dauern bis das Debüt von Brian Lopez offiziell veröffentlicht wird. Aber das Warten lohnt sich: „Ultra“ ist eine der schönsten Platten, die ich in letzter Zeit gehört habe. Für das eigene Gefühlsleben und für schwüle glamouröse Träume absolut unverzichtbar!

Brian Lopez: „Ultra“, (Le Pop / Groove Attack), erscheint am 23.9.2011

Brian Lopez – El Vagabundo – KUAZ Radio

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