Der Download ist noch nicht freigegeben. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Sind Buchverlage noch dümmer als die viel belachte Plattenindustrie? Sieht fast so aus

Ja, ging’s mir neulich durch den Kopf, die von Suhrkamp wissen wie der Hase läuft: In der Reihe „edition suhrkamp digital“ erscheinen seit William T. Vollmanns „Sperrzone Fukushima“ kleine schnelle Bücher – dünn, thesenstark und hochaktuell. Bravo, dachte ich, da hat ein Verlag endlich mal verstanden. Nicht nur was die Themen und Thesen angeht, sondern auch die Verbreitung derselben. Naiv, wie ich manchmal bin, habe ich mir die „edition suhrkamp digital“ als ein cooles Factory Outlet des honorigen Verlags vorgestellt: All die hippen iPad-, Kindle- und Smartphone-User checken und downloaden dort zwischen Kreativbranchen-Job und Afterhours-Club schnell mal das neue Angebot an Theorie und/oder langen Reportagen – Food for thoughts to go, gewissermaßen.

Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte ich eine Besprechung gelesen von „Occupy – Die ersten Wochen in New York“. Slavoj Zizek wird da zitiert, mit der Idee, dass die Chance des Protests in der Erzeugung eines deutungsoffenen Vakuums liegt. Das klang interessant. Ich schaltete also den Computer ein, in der Absicht mir die 47 digitalen Seiten pronto auf die Festplatte zu saugen.
Doch wenn man auf der Seite des Suhrkamp-Verlags den Button „ebook“ klickt, erhält man bloß eine Liste von Händlern. Die Tatsache, dass das Verlagsprogramm neuerdings auch ebooks umfasst, wird seltsam fremdelnd und unsicher kommuniziert, eher nebenbei erwähnt, als stolz herausposaunt. Okay, ich dann also weiter zu Libri.de, um endlich mein Buch-Download-Debüt in die Tat umzusetzen. Schnell noch das übliche Profil ausgefüllt und endlich auf den Download-Button geklickt. Doch in schönstem Malkasten-Rot erscheint nun der lapidare Satz: „Der Download ist noch nicht freigegeben. Bitte versuchen Sie es später noch einmal“. Während der Sonntagnachmittag in den Sonntagabend überging, habe ich von Zeit zu Zeit immer wieder mal auf den Button geklickt. Vergeblich: „Der Download ist noch nicht freigegeben. Bitte versuchen Sie es später noch einmal“. So als ob am anderen Ende der Leitung ein „Download-Beauftragter“ sitzt, der Sonntags frei hat, aber am Montag natürlich wieder seinen Job erfüllen wird,

Aber ist das nicht gerade das Wesentliche an digitalen Angeboten, dass sie sofortige Bedürfnisbefriedung ermöglichen? Oder sind wir nur die verwöhnten Kinder von iTunes? Die Buchbranche ist offenbar dabei die Fehler der Musikbranche zu wiederholen: Man würde das eigene antiquierte Geschäftsmodell gerne ins digitale Zeitalter retten – hat aber keine Ahnung wie. Also macht man erst mal weiter wie bisher und ignoriert die Möglichkeiten und Gefahren. Die älteren Kunden werden ja sowieso beim gedruckten Buch bleiben (in der Plattenbranche war es das analoge Vinyl). Doch die jungen, Technik affinen Leser werden irgendwann mitbekommen, dass es im Internet Seiten gibt, wo der Download-Button tatsächlich prompt funktioniert – und zwar ohne dass das eigene Bankkonto belastet wird. Längst gibt es PDFs von Büchern, die nie in einer digitalen Variante erschienen sind. Ob der Buchhandel, wenn die ersten Umsatzrückgänge erkennbar sind, auch, wie die Plattenindustrie die Schuld auf die Piraten und Sauger abwälzt? An der eigenen Unfähigkeit kann es ja unmöglich liegen.  „Occupy – Die ersten Wochen in New York“ sollte man natürlich trotzdem lesen. Notfalls in der almodischen Papier-Variante…

…24 Stunden später… 

„Wir haben den gewünschten Download soeben storniert und die entsprechende Rechnung ausgebucht. Bitte betrachten Sie die Rechnung, die Sie dennoch erhalten werden, als gegenstandslos.
Vielen Dank für Ihre Geduld!“