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FUCK ART, LET’S PARTY!

Die Kunst von Jim Avignon war schon immer eine Klasse für sich. Jetzt hat der Berliner seine gesammelten Flyer aus den letzten 20 Jahren in einer Butterbrot-Tütchen-Edition herausgebracht – Auflage: 100; Preis: Umsonst

Jim Avignon und seine knallbunten Grinse-Kerlchen waren eigentlich immer da. Ich erinnere mich, wie er Mitte der Neunziger im Keller der Frankfurter Bar Eckstein in zwei Nächten alle Bilder seiner nächsten Ausstellung malte. Das war kein Einzelfall sondern hatte Methode. Schlafentzug als Stimulanz. Oft halfen auch Freunde beim Ausmalen der Flächen. Kunst war hier kein einsamer Schöpfungsakt, sondern Party und kollektives Happening. Die Ausstellungen dauerten meist nur einen Tag oder ein Wochenende. Die Bilder wurden anschließend verschenkt, oder gegen lächerlich geringe Beträge verkauft. Manchmal durfte das Publikum hinterher alles in Fetzen hauen. Nur so, zum Spaß.

Avignon ist aber nicht nur Maler, sondern auch Musiker: Unter dem Namen Neoangin und seit einiger Zeit (zusammen mit Jon Burgerman) als Anxieteam entstanden Dutzende von Tonträgern in Kleinstauflagen. Legendär ist eine Reihe von 7-inch-Compilations mit der Musik von Freunden, die nicht etwa verkauft wurden, sondern ausnahmslos verschenkt. Kunst und die Partys, an denen Jim mitgewirkt oder sie initiiert hat, sind bei dem Duracell-Mann schon lange nicht mehr zu trennen. Sein Werk entspricht einem lässig erweiterten Kunstbegriff, der sich der schnellen Mark ebenso verweigert hat, wie dem flinken Euro.

Nun hat Jim Avignon die gesammelten Flyer seiner Ausstellungen, Konzerte und Partys der letzten 20 Jahre, in hundert kleine Papiertütchen gepackt und an Freunde verschenkt. Wenn diese bunte Pracht vor einem liegt, ist das, als würde eine ganze Ära zwischen Off-Kunst, Rave und Indie-Pop auferstehen. Slogans und Motti wie „Who’s Afraid Of Friendly Capitalism??“ oder „Antiheroes“ tauchen ebenso auf, wie Einladungen zu Partys der legendären Galerie Berlin Tokyo. Die Bildsprache ist bunt und grell, erinnert an surreale Comics, und oft lauert hinter all der Niedlichkeit auch noch etwas anderes, irritierendes. Im Lauf der Jahre sind diese urbanen „Höhlenmalereien“ eher stärker als schwächer geworden, also überraschend gut gealtert. Vielleicht weil Avignon sich nie an einem Zeitgeist orientiert hat, sondern eine sehr eigene Bildsprache besitzt – (die inzwischen allerdings auch oft kopiert wird). Wer weiß, vielleicht gilt Jim Avignon in ein paar Jahren als aufregendster Vertreter einer Pop-Art der Nuller-Jahre.

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